Schreibungen


Das Wort in der Überschrift soll erweitert gedacht werden mit folgenden temporär zu denkenden "Neologismen": Malungen, Modellierungen, Konstruierungen usw.


Platon mag in seinem Dialog Kratylos noch so unverständlich sein, er setzt jedoch ganz deutlich Bild und Geschriebenes gleich, gegenüber dem, was bei einer Landschaft und einer Person auch gleich gedacht wird. Wie auch immer diese Gegenüberstellung hergestellt wird, es ist immer die gleiche. Es ist nicht die Gegenüberstellung von Realität mit etwas anderem, etwa Sprachschaft oder Bildschaft, Modellschaft, Zeichenschaft, Planschaft. Diese kurzzeitig annehmbaren Neologismen zeigen, dass mit ihnen das Gemeinsame gedacht werden kann, besser als mit dem Grundwort.


Wenn weitere Gegenüberstellungen gedacht werden, dürfte die Frage präzisiert werden können, was denn das eine ist, was das andere, und das darüber hinaus Gedachte.


Die Gegenüberstellungen im Kratylos

Bild - Landschaft

Name - Person

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Platon verbindet einerseits etwa Bild, Name, Gesprochenes, Geschriebenes, andererseits etwa Landschaft, Person.

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Dann versucht er die Verbindung, zeigt die Frage auf, ob das eine mit dem anderen kausal oder sonstwie verbunden ist.

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Ganz deutlich fragt Platon nach dem, was den Personen lieber sein sollte, das Bild oder die Landschaft, implizit fragt er damit,

ob die Beschreibungen eines Hundes einer Person lieber sein sollten als der Hund,

ob das Zählen der Sachen der Person lieber sein sollte als die gezählten Sachen,

die Naturgesetze der Person lieber sein sollten als die Natur selbst,


Nachdem gedacht wird, dass das von Platon beschriebene Verhältnis zwischen "Realität" und "Beschriebene, gemalte usw. Realität", auch zwischen zwei Beschriebenen vorliegen kann.


Das ist der Fall, wenn zwei Sprachen verglichen werden, oder wenn zwei Personen zusammen kommen, die ein grundverschiedene Denkweise zur selben Sache haben. Wenn hier vorgegangen wird nach der Präferenz "Realität" vor "Bild", dann muss auch die Person mit Sprache 1 auch die Präferenz ihrer Sprache gegenüber der Sprache 2 beantworten. Mit dieser Überlegung wird deutlich, dass die Frage nach der Präferenz sich auflösen muss, sich nicht mehr stellen kann.


In der Folge muss sich herausstellen, ob denn die Wörter wie Modellbildung, Beschreibung noch für den Betrachter sinnvoll sind. Er kann zwar sagen, dass die Person ein Modell bildet, eine Beschreibung versucht, aber er kann auch sagen, dass sie eine gedachte Sache zu realisieren versucht. Der Betrachter kann davon abstrahieren, ob zwischen den zwei "Sprachen" Kausalverbindungen oder Analogien gefunden werden, die Personen sind dazu nicht fähig.


Die Personen versuchen immer, ihre Sprache intern weiter zu konstruieren, und wenn sie daran interessiert sind, die Konstruktionen auch in einer anderen außen vorliegenden Sprache zu suchen. Einfacher kann das mit folgendem Beispiel gedacht werden:


P1 sieht ein Haus, und wie es konstruiert wird. Nun versucht P1, dieses mit ihren Bauklötzen im Kleinformat nachzubauen. Hierbei sind in beiden Sachen Konstruktionen, die Person P2, die das Haus gebaut hat, hat ebenfalls konstruiert, beide haben also konstruiert. Nun kommt das Bemerkenswerte: Auch wenn P1 das Haus in Gedanken konstruiert, hat sie konstruiert. Ein Teil dessen, was beim Konstruieren des P2 vor sich geht, dürfte auch beim anderen vor sich gehen. Beide Personen denken das Konstruieren, egal ob sie mit Steinen, Bauklötzen oder innerhalb ihrer selbst konstruieren, ohne Vorhandensein von Gegenständen. Ob es innen räumliche Gegenstände gibt oder nicht, kann offen gelassen werden.


Der Absatz vorhin kann in vielen Varianten geschrieben werden: Statt Einsatz von Steinen und Bauklötzen, etwa Einsatz von Wörtern einer Sprache und Wörtern einer anderen Sprache. Es geht jedoch nicht, wenn eine mit Bauklötzen bauende Person einen Bauklotz dorthin legt, wo der Maurer einen Stein hinlegen will oder umgekehrt. Es mag Wörter geben, die übersetzbar sind, sogar die meisten zwischen zwei Sprachen, dennoch gibt es nicht übersetzbare. Damit ist die Übersetzbarkeit allgemein nicht möglich, anders gedacht, es müssen Fehlstellen in der Übersetzung sein, Wörter der anderen Sprache verwendet werden, die unübersetzt bleiben, oder aber sie müssen mit Umschreibungen ersetzt werden.


Wenn zwei Personen zusammen kommen, und jede betont ihre Sprache, dann muss es zu sprachlichen Konflikten kommen. Allgemein gedacht, mit einem Extrembeispiel:


Ein Koch hat ein gutes Rezept hergestellt und ein Chemiker kommt daher. Er versucht, zu schreiben, wie das Resultat zu Stande kam.


Ein Kausaltheoretiker schreibt in seiner Sprache das zum Geschehen, wobei er denkt, dass es dazu passt. Nun kommt der Logiker dazu, kümmert sich nur um seine Sprache, und sucht auch, was zum Geschehen davon passt. Jeder der beiden kann die Sprache des anderen ignorieren. Nun kann es sein, dass der Logiker versucht, auch die Kausalität mit seinem Wissen zur Logik zu beschreiben. Das kann nur schief gehen. Der Kausaltheoretiker nutzt auch die Logik, aber sekundär. Der Logiker kann die Kausalität nicht sekundär einsetzen und mit Logik zu erweitern suchen!


Ebenso ist es

a) mit dem Mathematiker, der unbedingt Zahlen einsetzen will,

b) mit dem Wahrscheinlichkeitsdenker, der die Wahrscheinlichkeit einsetzen will,


und beide versuchen, so die Kausalität besser zu beschreiben denken als der Kausaltheoretiker, der auch Zahlen benutzt, und Wahrscheinlichkeit, aber nur sekundär, wo sie eben erforderlich sind.


Ganz allgemein kann gesagt werden: Eine Person, die ihr "Wissen", genauer gesagt, ihr Gelerntes einsetzt, um besser an das Vorliegende heranzugehen also ohne ihr Gelerntes, kann damit fehl gehen. Sie versucht dann, ihr Gelernetes sozusagen auf das Vorliegende zu quetschen. Und zwar unabhängig davon, ob sie ihr Gelerntes anzuwenden versucht, es erweitern oder verbessern will. Dann kann eine Quetsche entstehen. Dieses Wort ist bekannt aus der juristischen Sprache als Sachverhaltsquetsche, wenn ein Anwalt versucht, den Sachverhalt falsch darlegt, so dass im Resultat die von ihm gewünschten Gesetze angewandt werden können.


Das Vorgehen der Person kann auch zu einem guten Resultat führen, es kann sogar überwiegend oder fast immer zu einem guten Resultat führen, dennoch kann dabei "Wichtigste" vergessen werden.


Es ist völlig egal, mit welchem Gelernten eine Person an eine Sache herangeht, die oben geschriebenen Fragen können sich jederzeit stellen und unbeantwortet bleiben. Beispiele für Gelerntes:

Das Gelernte nach dem sehr langen Studieren des Immanuel Kant allein.

Das Gelernte nach dem Studieren der gesamten Philosophie allein, der Mathematik allein, eines heiligen Textes allein, oder sonstiger beschränkter oder sich beschränkenden Texte. Das hat Sokrates im Phaidros schon deutlich gemacht, indem er gegen geschriebene Texte sprach. Sicher hat er weiter gedacht, als das, denn auch das was nur gedacht wird, kann dasselbe Problem zur Folge haben als das Aufgeschriebene.


Aus Obigem folgt auch, dass es nicht unbedingt zum Erfolg für eine Person führt, wenn sie möglichst aus allen Bereichen des "guten Wissens" das zusammen knobelt, von dem sie dann meint, es sei so gut, dass dies die Bedingung zum Erfolg sei. Es kann sein, dass das so Gelernte zu umfangreich wird, dass es vor der sich präsentierenden Sache nicht erscheint, mangels an inneren Kräfte. Es kann dennoch sein, dass eine Denkmaschine mehr Gelerntes dann einsetzen kann als eine Person. Die Person vorhin im Absatz hätte vermutlich besser daran getan, die Denkregeln eines Rene Descartes zu lesen, als alles von ihr Gelernte eklektisch zusammenzustellen. Es ist auch nicht so, dass die Erfinder ständig mit einem Sammelsurium an Regeln vorgingen, sie waren vor den Sachen, sie hielten sich an die Sache, sie "blieben bei der Sache", was Richter es immer wieder anmahnen.

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